Küsschen links, Küsschen rechts.
Wenn Tussis aufeinander treffen.
Man kennt das. Irgendwo steigt mal wieder eine Party. Es ist gemütlich. Es ist vertraut. Man unterhält sich dezent mit alten Freunden, um andere nicht zu irritieren, die das selbe tun. Dann auf einmal wird die Tür aufgerissen, die Blicke richten sich zum Ausgang, Gespräche enden abrupt. „HIIIII!!!“ , schallt es durch den Raum und alle wissen: Die Tussis sind los! Sie kommen grundsätzlich immer erst nach Mitternacht, denn sie wissen: Je später der Abend… na ja, wer dran glaubt.
Auf jeden Fall haben die Tussis die Gabe, Artgenossen auch in der größten Menschenmenge ausfindig zu machen. Die weniger Schönen, Jungen und Angesagten werden mit sanfter Gewalt zur Seite geschoben und ansonsten ignoriert. Haben sie sich durch die Masse gekämpft, kann man ein ebenso vertrautes wie sehenswertes Schauspiel beobachten: Ihre Begrüßung untereinander. Es beginnt in etwa mit den Worten: „Naaaa, du Süße, wie geht´s?“
Diese Worte kommen meist von Seiten der Anführer-Tussi und sind an eine Mitläufer-Tussi gerichtet, die nicht ganz so schön, erfolgreich und beliebt ist wie die Anführer-Tussi. Aber sie möchte, dass etwas Glamour der Anführer-Tussi auf ihr Dasein tropft. Also spielt sie das Spiel tapfer mit, denn sie weiß: Morgen kann sie schon wieder abgemeldet sein. Also antwortet die Mitläufer-Tussi auf die Frage mit einem überschwänglichen:„Heeeeey, voll Supi! Schickes Top! Neu?“ Dabei spielt der Tonfall eine ganz entscheidende Rolle. Laut muss es sein, hoch und wie auf Droge. Doch nicht nur die verbale Begrüßung ist wichtig. Denn noch während der Dialog der Beiden stattfindet, kommt es zur körperlichen Annährung. Dabei wird natürlich nicht übertrieben. Die Haltung muss gewahrt, die Frisur und das Make-up geschont werden. Küsschen links, Küsschen rechts, unter Hardcore-Tussis auch nur sanft an der Wange vorbei gehaucht, das muss reichen.
Ein anderes wichtiges Kriterium: Der Standort, an dem die Begrüßung durchgeführt wird. All das lange Zurechtmachen vorm Spiegel macht wenig Sinn, wenn man sich in einer dunklen Ecke herumdrückt. Also ab in die Mitte, am besten da, wo das Licht am grellsten ist. Schließlich sollen alle was von diesem optischen Feuerwerk haben. Das ist ja alles schön und gut. Nur kommt dieses Caroline-von-Monaco-Paris-Hilton- Kader-Loth — Gehabe ziemlich lächerlich rüber, wenn die Party in einer versifften, unterkühlten Garage irgendwo in den Weiten des Emslandes stattfindet. Wo andere versuchen, sich in kürzester Zeit die meisten Cola-Korn aus Plastikbechern reinzupfeifen, hat die Anführer-Tussi „mal ein bisschen Sekt mitgebracht“, denn „das kribbelt so schön.“
Die Tussis sagen zum Anstoßen nicht wie alle anderen: „Prost!“, „Hau weg die Scheiße“, oder „Nich lang schnacken, Kopp in´n Nacken.“ Das ist viel zu prollig. Sie sagen „Stößchen“ und nippen einmal mit ihren kussecht geschminkten Lippen (denn man weiß ja nie, was der Abend mit sich bringt) zart am Sektglas.
Warum das alles? Was wollen sie sich und anderen damit beweisen? Ich glaube, es geht vor allem um Macht. Um die Macht der Anführer-Tussi, die anderen Menschen Verhaltensmuster aufzwängen kann, damit sie in ihrer Gunst bleiben. Andere unter den Scheffel stellen, darum geht´s. Damit meine ich die Mitläufer-Tussi. Sie hingegen möchte den anderen Gästen demonstrieren, dass sie beliebt ist. Nicht nur das, sie möchte zeigen, dass sie bei der Anführer-Tussi beliebt ist. „Schaut alle her! Ich habe Freunde!“ Darum ist sie meist auch jünger als 18. Ein Alter, in dem man seinen eigenen „Marktwert“ austesten möchte, wenn man nicht über genügend Selbstbewusstsein verfügt, um diesen Wert selbst zu erkennen. Es ist schade, dass sie so was nötig hat. Und es ist nicht echt. Echte Freunde brauchen sich nicht bei jedem Treffen abknutschen, um sich ihrer Zuneigung sicher zu sein. Oder hat man schon oft ein altes Ehepaar gesehen, dass sich mitten auf der Straße abknutscht, vor den Augen der gesamten Öffentlichkeit? Eben.
Ich stehe an der Theke und beobachte die Szenerie. Ich will das alles nicht und bin froh, die Wahl zu haben. Ich will Bier, keinen Sekt. Ich will Lärm und Schmutz und ein herzliches Lachen, einen festen Händedruck und eine kräftige Umarmung. Hauptsache, es ist ehrlich gemeint.
Linda Wilken
Kommentare
| kill the tussis schrieb am 05.01.2006 um 12:22 Uhr: |
|
|
als ich diesen artikel gelese habe konnte ich mir alles total bildlich vorstellen! solche mädels gibt es im freudeskreis meiner freunde nämlich auch,wenn man die dann mal zufällig trift geht die scheiße los k r,k l einfach nervig wenn man dann stehen gelassen wird und sich diese szene mit ansehen muss!!!
ps.die anführer-tussi ist meistens die,die das lauteste,höhste und längste hiiiii!!!! rausbringt,
|
| das Daniel schrieb am 05.09.2005 um 23:35 Uhr: |
|
|
Stößchen !!! :D
|
| kiki schrieb am 29.08.2005 um 11:44 Uhr: |
|
|
super das stimmt wiklich alles ich gehe zwar noch auf die schule und da ís es fast genauso!!!!!echt cool!!!!!
|
|