Was müssen das für Menschen sein…
Wer liest eigentlich Dan Brown?
Ich erfinde jetzt eine Top 10. Die Top 10 heißt: „Die zehn Bücher, die von Bekannten mit dem Satz 'Das musst du lesen, das ist so spannend' empfohlen werden.“ Dann erfinde ich noch diese Top 10: Zehn Dinge, die ich an Buchhandlungen hasse. Ach, und diese hier: Zehn Dinge, mit denen sich Menschen in öffentlichen Nahverkehrsmitteln beschäftigen. In allen drei Fällen auf Platz 1-10: Alle Bücher von Dan Brown, besser bekannt als „Der Mann, der Harry Potter aus der Spiegel-Bestsellerliste gepustet hat“.
Dabei gilt meine Abneigung weniger Dan Brown als den Lesern seiner Bücher. Seit langem achte ich penibel darauf, dass mein Freundeskreis Dan Brown-frei bleibt, denn wenn ich eines weiß, dann das: Mit Lesern von Dan Brown teile ich mir kein Wochenendticket der Deutschen Bahn.
Eigentlich sind Dan Brown-Leser gar keine Leser, das heißt, außer Das Sakrileg, Illuminati und Meteor haben sie nichts gelesen. Was früher John Grisham war, ist heute Dan Brown. Literatur für alle, die Bücher sonst für 500 Seiten bedrucktes Klopapier halten. Die Bücher nur als Verfilmung kennen (ja, Fight Club geht auf einen Roman zurück). Sonst steht im Regal: Das Handbuch zur Grafikkarte und die ungelesene Biografie von Nelson Mandela, ach ja und das Bild von der Freundin (aus´m Malle Urlaub, Strand und Sonne und jede Menge gute Laune).
Lieber gehen sie ins Kino. In den Titeln kommen Wörter vor wie „Abrechnung“, „Predator“, „Teil 2“. Alle anderen Filme finden sie „total langweilig“, weil es nicht ständig rumst und bumst und keine bizarren Wesen von entfernten Planeten Vin Diesel abmurksen wollen. Und sie fühlen sich ihrer Freundin überlegen, weil die total auf Die fabelhafte Welt der Amélie abfährt („Ist doch total kitschig“) und bei Pippi in Taka-Tuka-Land kommentieren sie ungefragt: „Sieht doch jeder, dass das Bett nicht wirklich schwebt.“
Dafür finden sie TV-Comedy cool und Pulp Fiction ist für sie Kult. „Diese Szene, wo John Travolta und Samuel L. Jackson im Auto über Hamburger diskutieren… das ist so geil.“ Wenn man mit ihnen Gladiator schaut, sagen sie ständig Dinge wie "Da sind Kondensstreifen am Himmel zu sehen. „Na und?“ „Damals gab es noch keine Flugzeuge.“ „Na und?“
Und diese Menschen wollen wissen, was einen guten Roman ausmacht? Für sie müssen Romane nämlich realistisch sein, ernst, ironiefrei, voll mit historischen Fakten und Verschwörungstheorien um den Papst und den amerikanischen Präsidenten. Ihnen bleibt unverständlich, dass für solche Fälle das Genre „Sachbücher“ eingeführt wurde (genau, da wo in der Buchhandlung die 79 Bücher von Michael Moore stehen) und dass Romane eigentlich das erreichen sollten: Leuchtende Augen, klopfende Herzen, hoffen und bangen und Tränen, die nicht vom Zwiebelschälen oder verirrten Insekten stammen. Was der Vatikan über Jesu Leben verheimlicht und wer JFK erschossen hat: Drauf geschissen.
Romane müssen atmen und leben und nicht einen Sack voller Fakten hinter sich her ziehen. Wenn Illuminati Literatur ist, dann ist die Packungsbeilage von Bayer eine Science Fiction-Roman. Sie begehen eben den Fehler, genau das Buch zu kaufen, das im Geschäft den größten Stapel hat. Aber vermutlich haben sie ihr Exemplar sowieso bei Amazon gekauft.
Sebastian Dalkowski
Kommentare
| hb schrieb am 17.01.2005 um 14:04 Uhr: |
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danke für die büchertipps. ich hatte inzwischen auch in der wikipedia gelesen, was über das buch so gedacht wird… die „bielefeldverschwörung“ ist ne ziemlich wirre sache, die in den newsgroups entstanden ist, dazu gibts auch nen Wikipedia-Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Bielefeldverschw%C3%B6rung
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| grisham schrieb am 13.01.2005 um 13:33 Uhr: |
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@hb: nix für ungut ;-). falls dich die fakten interessieren, gibbet es auch noch bücher über die wahren verschwörungstheorien!. z.b. „Die Wahrheit über den Da-Vinci-Code“ von Dan Burstein oder auch „Ein Code wird geknackt — Dan Browns Roman “Sakrileg„ entschlüsselt“ von Marc Hillefeld. Kostet jeweils nur 10 euro und ist für dich sicher eine lohnenswerte investition. was meinst du eigentlich mit „bielefeld“? hat das auch was mit den templern zu tun?
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| hb schrieb am 11.01.2005 um 22:11 Uhr: |
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Danke für den Hinweis. Hatte ich glatt vergessen.
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| Grisham schrieb am 10.01.2005 um 18:18 Uhr: |
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Dieser Kommtar könnte Ironie und/oder Schwachsinn enthalten.
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| hb schrieb am 10.01.2005 um 18:09 Uhr: |
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Ich muss mich jetzt hier mal als Leser von Illuminati und The Da Vinci Code rechtfertigen: Ich hab schon Hesse gelesen, ich hab schon Böll gelesen, aber ich hab jetzt 2 Bücher von Dan Brown gelesen und muss leider sagen: Ich fands gut. Es war nicht sonderlich tiefsinnig, aber es war auf jeden Fall unterhaltsam. Ich finde solche Verschwörungstheorien doch ab und zu mal ganz unterhaltsam. Ich sag nur Bielefeld… Wo ich ihnen recht geben muss, ist, dass es wirklich teilweise besser ein Sachbuch geworden wäre, oder ich wohl doch besser eines gelesen hätte. Jetzt hab ich nämlich das Problem, nicht zu wissen, was jetzt wohl doch ein bisschen zu weit hergeholt ist und was wirklich Fakt ist. Insgesamt wollte ich nur sagen, dass sie in vielem Recht haben aber zu stark verallgemeinern. Und wenn sie vermeiden wollen, dass beim nächsten Mal so ein Trollo wie ich einen Kommentar hinterlässt, würde ein einfaches „Dieser Beitrag kann Ironie und/oder Schwachsinn enthalten“ reichen…
mfg
hb
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| alex schrieb am 04.01.2005 um 02:19 Uhr: |
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haargenau ins schwarze…aber: die szene in pulp fiction ist lässig.
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