 Und jetzt auf der Showbühne…
Sind Bandwettbewerbe okay?
Pro
Bei Bandwettbewerben geht es in erster Linie nicht um einen guten Platz oder irgendein Finale im nächsten größeren Ort. Eigentlich bieten solche Wettbewerbe nur eine Bühne und somit Auftrittsmöglichkeiten für kleine lokale Bands. Solche Möglichkeiten sind nämlich rar, besonders in kleinen Orten sind Bandwettbewerbe unverzichtbar.
Präsent sein, Kontakte knüpfen, Erfahrung und nicht den ersten Platz gewinnen, sollten die Ziele für die Teilnehmer sein. Vor allem für diese, die nicht dem Musikstil der konkurrierenden Bands nacheifern, sondern einen alternativen Stil ihr Eigen nennen wollen. Denn diese gewinnen nicht, machen sich aber einen Namen unter denjenigen im Publikum, die sich Bandwettbewerbe ansehen, um Bands mit eigenem Stil zu fördern. Wo wird man eher bekannt als in einem vollen Club/ auf einem vollen Marktplatz?
Da es eben ums Spielen und nicht um die Platzierung im Bandwettbewerb der Landjugend geht, ist weder ein guter noch ein schlechter Platz verwerflich. Allein das Auftreten vor Publikum soll Erfahrung bringen.
Contra
Erste Plätze auf Bandwettbewerben sind wie Punkte in Flensburg. Irgendwann kriegt jeder Mal einen ab. Mittlerweile veranstaltet ja jedes Provinz-Jugendheim einen Bandwettbewerb, um das selten vorhandene aber viel beschworene lokale Rockpotential zu fördern. Da reihen sich dann Nirvana-Cover-Bands an Punk-Prolls aus Lehrerhaushalten und Nu-Metal-Clowns („Wir können nicht rappen, wir können nicht rocken und aus Minus und Minus wird Plus“).
Fragwürdig ist ja bereits der Wahlmodus der Gewinner. In einem Anflug ausgerechnet hier nicht angebrachter Sympathie für die Basisdemokratie entscheidet zumeist das Publikum. Da dieses zu 90 Prozent männlich ist, gewinnt stets die lauteste Band, weil „dat rockt“. Und wenn es eine Jury gibt, ist die zu 99 Prozent männlich. Natürlich haben auch gute Bands Wettbewerbe gewonnen und sind im Anschluss sogar berühmt geworden, aber nur bei Bands, die wirklich nichts anderes vorzuweisen haben, taucht der Verweis auf jeden dritten Platz in der Vorrunde des Emergenza-Festivals in Duisburg auch in der Biografie auf.
Mal ganz davon abgesehen, dass auf Bandwettbewerben keine gutaussehenden Mädchen herumlaufen (Mädchen mit Baggies sehen nicht gut aus), haben sie noch einen anderen Haken: Ein Gewinn bedeutet nur, dass man von den unsigned Bands einer bestimmten Gegend unter gewissen Gesichtspunkten (Lautstärke, T-Shirt-Motiv, etc.) die beste ist. Die Emils Bulls schnitten beispielsweise einst beim Europa-Finale des Emergenza-Festivals wirklich gut ab… mittlerweile dürfte ihr letztes Stündlein geschlagen haben.
Arndt Jansen/Sebastian Dalkowski
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