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Tausche Oma gegen Plattensammlung.

Tausche Oma gegen Plattensammlung.

Warum Musikfreaks nerven.

Jeder kennt sie: Musikfreaks. Ihre besten Freunde heißen Beck, PJ Harvey und Kurt Cobain. Sie wissen wann die neue Adam Green erscheint, können sich aber seit über 40 Jahren immer noch nicht den Geburtstag ihrer eigenen Mutter merken. Menschen die, um einmal Bob Dylan die Hand zu schütteln, ihr letztes Hemd weggeben, aber auf gar keinen Fall den neuen U2 iPod kaufen würden. Logisch dass sie nicht Infizierten und Normal-Konsumenten gehörig auf den Wecker gehen. JUStmag, hat die nervigsten zusammen gestellt, die jedes Intro und Spex Abo dem der Tageszeitung vorziehen würden.

Der „Avantgarde“ — Hörer

Kennzeichnet sich aus durch exzessives Suchen nach raren Releases obskurer Netlabels und minimalistischen Nu-Acid-Jazz-Importsamplern aus Ungarn. Hört in seiner Freizeit auch gerne Björk und Mouse On Mars. Verabscheut alles, was nur mit Gitarre, Bass, Schlagzeug aufgenommen wurde und hält jede Fünfminutenproduktion aus dem Laptop für ein Geschenk Gottes.

Lieblingsplatte: Einstürzende Neubauten (Perpetuum Mobile)

Der „Rock“ — Hörer

Für ihn ist Popmusik ein Schimpfwort. Hört nur, was man gut finden darf und findet Britney & Co kategorisch scheiße („zu glattgebügelt und oberflächlich“). Bevorzugt Musik mit „Ecken und Kanten“, vor allem aber verzerrte Gitarren. Wartet seit Jahren mit seiner lokalen Pearl Jam-Coverband auf den Durchbruch oder zumindest auf ein Mädchen nach einem Gig, dem er mal die berühmten drei Akkorde zeigen darf.

Lieblingsplatte: Red Hot Chili Peppers (Californication)

Der „früher-war-alles-besser“ — Hörer

Gibt's fast in jedem Bekanntenkreis. Das ungeschriebene Gesetz, das Frühwerk einer Band abzufeiern und alles darauf folgende in Grund und Boden zu verspotten, scheint zum guten Ton unter Musikfans zu gehören. Gerüchten zufolge, sollen sogar ganze Freundschaften entzweit worden sein, nur weil man die letzte Oasis „gar nicht mal so schlecht“ fand.

Lieblingsplatte: Oasis (Definitely Maybe)

Der „Independent“ — Hörer

Lässt seine ehemaligen Lieblingsbands sofort wie eine heiße Kartoffel fallen, sobald diese den Sprung zu einem Major geschafft haben. Versucht, sein pubertäres Abgrenzungsverhalten immer(!) mit dem musikalischen Verfall der Band zu begründen („Die neue Le Tigre klingt mir irgendwie zu kommerziell“). Neigt zu vereinfachendem Schwarz/Weiß Denken. Sein bester Freund: Der „früher-war-alles-besser“ — Hörer.

Lieblingsplatte: Alles mit einer Auflagenzahl unter Stck. 500

Der „Alles“ — Hörer

Die charakterloseste Spezies unter den Musikhörern. Lieblingsmedium: das Radio. Was er sonst noch hört? „Die Charts rauf und runter“ oder „Querbeet, nichts bestimmtes“.

Lieblingsplatte: Das beste aus den 70ern, 80ern, 90ern…

Der „Vinyl“ — Hörer

Nichts gegen Liebhaber des schwarzen Goldes. Es wäre nur toll wenn man nicht gleich zum Menschen zweiter Klasse gestempelt würde, nur weil man keinen Plattenspieler besitzt und den Silberlingen eventuell sogar den Vorzug gibt.

Lieblingsplatte: Die farbige Erstpressung von Nirvanas Nevermind

Der „Single“ — Hörer

Ignoriert das Gesamtkunstwerk 'Album' geflissentlich und begnügt sich damit seine Lieblingslieder „für lau“ aus dem Netz zu ziehen. Devise: Geiz ist geil. Neigt dazu Lieder totzuspielen.

Lieblingsplatte: Gibt es nicht

Der „Studentenmusik“ — Hörer

Machen wir uns nichts vor, die Studenten von heute haben die Revolution klammheimlich gegen den Backkatalog von U2 oder REM eingetauscht und bejubeln das 38. Album von Michael Stipe immer noch wie das Erste. Auf Studentenparties läuft trotzdem immer nur Loosing My Religion… Das Wort Progression kennt er nur aus dem Mittwochsseminar, wie ein Blick auf seine Plattensammlung beweist: Alanis Morisette (was feministisches), U2 (was politisches), Bob Marley (was chilliges), Moloko (was experimentelles) und Robbie Williams (was zum Erstsemesterinnen rumkriegen).

Lieblingsplatte: Automatic For The People (REM)

Der „Beatles“ — Hörer

Gehört meistens zum älteren Semester. Hat irgendwann mal gelesen, dass die Pilzköpfe einen enormen Einfluss auf alle nachfolgenden Bandgenerationen ausgeübt haben sollen und betrachtet es seitdem als seine Lebensaufgabe, nach diesen Einflüssen zu suchen und es jedem der es (nicht) hören will unter die Nase zu reiben. Selbst die aktuelle Sido soll sich nicht davon freimachen können.

Lieblingsplatte: Sgt. Pepper (Beatles)

Der „auf-den-Zug-Springer“ — Hörer

Lästige Randgruppe, die Bands immer nur dann wahrnimmt, sobald diese in den Charts auftauchen. Ist häufig auf Festivals anzutreffen.

Lieblingsplatte: A Rush Of Blood To The Head (Coldplay)

Katja Peglow


Kommentare



andreas schrieb am 25.07.2005 um 20:59 Uhr:

ich glaub, du hast die mp3-hoerer vergessen.

haben tonnenweise mp3s auf ihrer festplatte und machen sich sorgen, dass ihre gigabyte nicht mehr reichen, wissen aber nicht wirklich, was sie haben, hoeren meistens shuffle (lieblingsthema: „der shuffle ist ja heute komisch.“)


andreas schrieb am 25.07.2005 um 20:56 Uhr:

also, ich will ja nicht besserwisserisch hier daherkommen, aber die nirvana-nevermind erstpressung war doch nicht in buntem vinyl. kam ganz schlicht schwarz raus.
aber ich weiss schon, was du meinst.
das hat aber nix mit vinyl an sich zu tun. man sagt ja sogar bunten platten eine schlechtere qualitaet nach.

ich hoer im uebrigen auch lieber platten, ziehe sie normalerweise (aus hauptsaechlich aestethischen Gruenden) der CD vor.

hab aber nix gegen cd-hoerer. die dinger sind ja auch viel praktischer.


Dr. Gonzo schrieb am 08.01.2005 um 18:55 Uhr:

Genau. Die Seitenscheitelträger mit Brille. Tocotronic und so…


Daniel schrieb am 08.01.2005 um 14:56 Uhr:

Ja sehr nett, aber du vergisst die „Elektronisches-und-Tomte-Hörer“…


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