Let Me Entertain You.
Mädchen wollen nie das eine… jedenfalls nicht bei mir.
Kathrin trat in mein Leben, als ich neben mir stand, das heißt: Nirgendwo stand. Ich hing lustlos zwischen dem, was war, und dem, was kommen sollte. Sechs Monate blieben mir nach dem Ende des Zivildiensts, um mich von meiner Kindheit zu verabschieden, dann begann das Studium. Eine ungewisse Zeit. Da brauchte ich manchmal eine Hand, an der ich mich festhalten konnte. Ein Mädchen, das trotz ihres Alters im Freibad Autoquartett mit ihren Freundinnen spielte. Ein Mädchen, das so toll war, dass es reichte, den ganzen Tag den Verlauf dieser dünnen Härchen mit den Augen nachzuwandern, die kurz über ihrem Bauchnabel ansetzten.
Ich dachte, Kathrin wäre so ein Mädchen. Natürlich war sie es nicht. Sie war eine 17-jährige Gymnasiastin, die stundenlang überlegte, ob sie den Rock bei H&M für zehn Euro wirklich kaufen sollte. Ein Mädchen, das im Freibad vermutlich nur darauf achtete, dass der Arsch nicht die Hose fraß. Quartetts fand sie bestimmt kindisch. Sie war Leonardo-Glas, Diddl-Maus und Kuschelrock 18, mit einem Wort: Uninteressant. Das war mir von Anfang an klar, gestand mir das aber nicht ein und ihr meine Liebe. Warum auch immer. Sie antwortete, sie finde mich ja wirklich nett, aber… ich sagte, ob ich den acht platonischen Freundschaften noch eine neunte hinzufügen wollte, darüber müsste ich noch nachdenken.
Sechs Wochen vergingen, ohne dass ich mich recht entscheiden konnte. Dann hörte ich den Song Toxic Girl von den Kings Of Convenience. An einer Stelle sang Erlend Oye: She'll talk to you with no one else around, but only if you're able to entertain her. The moment conversation stops, she's gone„. Genau das war mein Problem: Alle wollten sie mit mir reden, das andere aber machten sie dann mit den richtigen Kerlen. Ich schickte Kathrin eine Mail nur mit diesen Songzeilen, mit dem Ziel, diese “Beziehung" zu beenden. Ich wollte ihr vor den Kopf stoßen, auch wenn es gemein war, nur um wenigstens Würde zu bewahren, das heißt, Genugtuung zu erhalten. Ich sollte nicht der einzige sein, der schlecht wegkam. Kathrin schien es zu verstehen, jedenfalls meldete sie sich für mehr als ein halbes Jahr nicht.
Neulich erhielt ich eine SMS. Sie war von Kathrin: „Schade, dass wir keinen Kontakt mehr haben“. Sie hatte es also doch nicht kapiert, sie hatte sich nicht vor den Kopf gestoßen gefühlt, sie war nicht gekränkt. Damit nahm sie mir das letzte, was ich noch hatte: Das Gefühl der Genugtuung, ihr die Wahrheit ins Gesicht geklatscht zu haben. Natürlich werde ich ihr nicht zurückschreiben. Obwohl ich eigentlich müsste. Um ihr zu erklären, worüber die Kings Of Convenience singen: Wenn ein Mädchen dir ihr Herz ausschüttet, legt sie es dir nicht vor die Füße. Vielleicht liest sie ja diesen Text…
Sebastian Dalkowski
Kommentare
| ach wozu schrieb am 04.01.2005 um 22:14 Uhr: |
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das gleiche gilt übrigens auch für jungs! ;-)
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