 Ich scheiß auf deutsche Texte.
| Autor |
Astrid Vits |
| Titel |
Du und viele von deinen Freunden |
| Verlag |
Schwarzkopf & Schwarzkopf |
| Seiten |
480 |
| Bewertung |
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Vorsicht, ein Trend geht um. Zur Zeit wird ja alles vom Fleck weg gesignt, was sich nur halbwegs auf deutsch artikulieren kann. Seit der Neuen Deutschen Welle in den 80er Jahren war es noch nie so populär zur Muttersprache zu greifen. Zuletzt gipfelte der Trend ja bekanntermaßen in der umstrittenen Diskussion über eine gesetzlich geregelte Deutschquotierung im Radio.
Die freie Journalistin Astrid Vits hat sie in ihrem aufwendig gemachten Interviewreigen Du und viele von deinen Freunden gesammelt (vornehmlich jene, die sich gegen eine Quote ausgesprochen haben und eher der Indieszene zugeordnet werden. Nach Städten sortiert liest sich das wie folgt: Berlin (Mia), Köln (Klee), München (Lali Puna), Hamburg (Die Sterne), Augsburg (Nova International). Um nur einige wenige der zahlreichen Befragten zu nennen. Geschmackssicherheit beweist Astrid Vits glücklicherweise nicht nur mit den üblichen Verdächtigen. Schön, dass auch weniger populäre Acts wie Finn oder Niels Frevert zu Wort kommen dürfen und solche, die das Pech hatten, zwar am richtigen Ort, dafür aber zur falschen Zeit da zu sein (Paula). Weiteres Plus: Epigonen wie Julimond wurden glücklicherweise ausgeklammert.
Die einzelnen Interviews sind allesamt recht umfangreich ausgefallen. Die Fragenstellerin besucht die Künstler meist im Büro oder trifft sich mit ihnen in Cafès. Immer mit dabei: der Sekt, der den Befragten wohl die Zunge lockern soll. Gelingt auch meistens. So geschehen im Gespräch mit Virginia Jetzt!, bei dem sich die Autorin kurz entschuldigte, dabei jedoch vergaß das Band zu stoppen. So erfuhr der Leser unbeabsichtigt von „Muckibuden — und Solariumsbesuchen“ der Jungs.
Einziger Wermutstropfen des Buches: Kritischer Journalismus ist das ja nun wirklich nicht. Soll natürlich auch nicht. Dennoch hätte das ein oder andere Mal schon etwas stärker nachgehakt werden können…
Fazit: Trotz Abstrichen — ein gelungener, informativer und spannender Interviewreigen.
Katja Peglow
Kommentare
| tomtom schrieb am 22.02.2005 um 16:43 Uhr: |
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[seppel schreibt:] „Das in einer solchen quote ansätze für einen neuen deutschen nationalismus gelegt werden muss ich hier ja nicht erzählen.“
kannst du das mal genau erklären? Was soll das „muss ich hier ja nicht erzählen“ denn heißen?! Dass hier alle so denken, wie du? Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine quote (gegen die ich übrings bin — 'Qualität setzt sich durch — die regionalen Radio-Sender machens schon ganz gut') „ansätze für einen neuen deutschen nationalismus“ bietet… .
Ich will wissen, was genau du damit sagen willst. Hilf mir bitte.
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| seppel schrieb am 18.02.2005 um 12:47 Uhr: |
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grade die hippen indi kids, die immer für eine quote argumentieren, sollten nicht vergessen das es keine qualitäts quote werden soll. eine quote für deutsche musikwaren würde sicher nicht bedeuten das bands wie tomte, blumfeld, kante, sterne etc mehr airplay bekommen würden. es würden dann eben produkte wie Scooter, Annett Louisan, Sarah Connor, Lukas Hilbert, Sandy feat. Manuell, Westernhagen, Grönemeyer, Julie bis September und Silbermond rauf und runter gespielt.
Das in einer solchen quote ansätze für einen neuen deutschen nationalismus gelegt werden muss ich hier ja nicht erzählen.
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| Flo schrieb am 15.12.2004 um 15:24 Uhr: |
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Bzgl. der hier diskutierten Radioquote sollte vielleicht auch erwähnt werden daß es sich nicht um eine Quotierung der deutschen Sprache, sprich deutschen Songtexten, sondern um die der „inländischen“ Produktionen geht.
Leider habe ich das Buch noch nicht in die Finger bekommen, ich kann mir aber vorstellen daß viele Leute diesen Punkt missverstanden haben.
Diejenigen welche sich gegen eine solche Quote aussprechen sollten auch darüber nachdenken inwiefern und ob die Radiosender in Deutschland ihre Pflicht, inländische Künstler zu fördern, verletzen. Da die „großen“ Radiostationen nicht verpflichtet sind deutsche Produktionen zu spielen fehlt auch die nötige Auseinandersetzung mit der Musikszene dieses Landes. Das führt dann dazu, daß ich am Tag ca. 18 Mal Maroon5, 10Mal Bruce Springsten (schreibt man den so?) oder sonstigen ausgelutschen Scheiß hören muß, wohingegen sehr gute inländische Produktionen überhaupt nicht gespielt werden.
Als kleinen Denkanstoß möchte ich dann noch ein Beispiel aus der Wirtschaft nennen: Sämtliche Großfirmen dieses Landes kaufen, mit Rücksicht auf die deutsche Wirtschaft, Firmenautos aus deutscher Produktion. Man darf überhaupt nicht daran denken was für ein Aufschrei durch dieses Land gehen würde wenn diese Firmen auf ausländische Fabrikate umsteigen würden!
Cheers,
Flo
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