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David Sedaris - Nachtprogramm

My Big Fat Greek Family.

Autor David Sedaris
Titel Nachtprogramm
Verlag Heyne
Seiten 290
Bewertung 8 von 9 Punkten

Es scheint, als ob der Fundus an skurrilen, lustigen und vollkommen übergeschnappten Sedaris-Familiengeschichten nie versiegen wird. Denn schon in Fuselfieber, den Santaland Diaries und dem Bestseller Nackt bewunderte man David Sedaris für seine präzise Beobachtungsgabe an der eigenen Familie und bemitleidete ihn bei seinen Kindheitsberichten über nervöse Ticks und Spracherziehungsunterricht.

Die 22 neuen Kurzgeschichten in Nachtprogramm geben weitere Einblicke in verwirrende Adoleszenzerfahrungen des Autors, „da saß nun ein nackter Junge auf meinem Schoß…der Stoff aus dem die Träume sind, bis mir einfiel, dass er dies nicht aus freien Stücken tat, sondern weil er beim Kartenspiel verloren hatte“.

Weiterhin wird die gesamte Familie durchanalysiert, etwa die Paranoia seiner Schwester Lisa, die aus Angst am Telefon abgehört zu werden, alle Information in codierter Form durchgibt: „Die Schlüssel, unterm Umenopf, dem ötlichen“, während Davids Bruder Paul die Situation seiner Frau nach der Geburt stolz mit der Formulierung „sie hat ein paar Schläuche in der Muschi und die kleine Maddie nuckelt an ihrer Titte“ verbildlicht. Dabei ist Sedaris so unverblümt ehrlich, dass die lieben Geschwister mittlerweile schon sehr vorsichtig mit ihren Äußerungen über ihren Alltag geworden zu sein scheinen. „Wenn du jemals über diese Geschichte schreibst, rede ich nie wieder mit dir!“ Natürlich tut er das trotzdem — gerade deshalb.

Allerdings hat man nie das Gefühl, dass er es wirklich böse mit seiner Sippschaft meint, obwohl die Kommentare oft sehr bissig und bestimmt nicht gerade angenehm für die Verwandtschaft ausfallen. Denn wer fände es schon immer toll, wenn Millionen Menschen wissen, was man als Kind für Blödsinn veranstaltet hat oder noch schlimmer: mit welchem Blödsinn man nie aufgehört hat. Dafür rechnet David Sedaris mit sich selbst, auch durch Geschichten aus seinem aktuellen Lebensabschnitt, am intensivsten ab.

Fazit: Sedaris beschreibt unschöne Erinnerungen in schönster Form. Das Buch für Neurotiker und solche, die es werden wollen.

Annemarie Jansen



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