 „Es gibt immer Hochs und Tiefs.“
Ja, die meisten wissen es, aber trotzdem noch mal: Tobias Kuhn ist der Sänger und Gitarrist von Miles, ist aber auch seit einiger Zeit unter dem Namen Monta solo aktiv. Sein erstes Album Where Circles Begin erschien in diesen Tagen und vereint all das, was Bands wie Death Cab For Cutie und Coldplay in ihren stillen Momenten auszeichnet. JUSTmag-Redakteur Sebastian sprach mit Tobias über Cover-Songs, Verkaufszahlen und alleine auf der Bühne stehen.
Für mich ist ja Where Circles Begin eines meiner Alben des Jahres 2004, bist du zufrieden mit der Platte?
Danke schön. Das freut mich zu hören. So zufrieden wie noch nie mit einer Platte, die ich vorher gemacht habe. Ich bin jemand, der sich immer sehr mit Sound und Produktion beschäftigt hat. Diesmal ging es eigentlich nur darum, die Songs festzuhalten und unvorbereitet ins Studio zu gehen. Den Moment festzuhalten und: Kein Konzept als Programm. Die Instrumente benutzen, die im Studio vorhanden sind.
Welches Album von Death Cab For Cutie hat dich mehr beeindruckt/geprägt? The Photo Album oder Transatlanticism?
Ich finde beide Alben sehr gut. Transatlanticism klingt irgendwie ein bisschen produzierter. Deshalb einen Punkt mehr für The Photo Album.
Was willst du auf keinen Fall über dein neues Album in der Zeitung lesen?
Miles ist ein ganz großer Teil von mir und nach wie vor sehr wichtig. Aber die Worte Soloprojekt/Nebenprojekt finde ich mühsam. Es gibt keine Schwerpunkte. Miles und Monta ist gleichwichtig und Beides notwendig für mich.
Fragst du dich nicht manchmal, warum so viele deutsche Bands den Durchbruch geschafft haben, Monta und Miles aber noch nicht?
Erstmal müsste man klären, was Durchbruch heißt? Künstlerisch habe ich, ob mit Miles oder mit Monta, immer das gemacht, was ich wollte. Nach der Day I Vanished haben wir einen extrem offensiven Song wie Perfect World aufgenommen, womit wir ganz viele Leute vor den Kopf gestoßen haben. Aber wir waren in dem, was wir machen wollten, erfolgreich. Platten haben wir halt nur mäßig verkauft. Wobei von der roten Miles weltweit knapp 50.000 verkauft wurden, was nicht schlecht ist. Ich glaube, dass Bands einfach vergänglich sind. Das klassische Bandkonzept ist oft langweilig. Leider ist es so, dass, wenn ein Künstler oder eine Band nach zwei Alben, für die ordentlich Marketing ausgegeben wurden, sich nicht kommerziell einigermaßen etabliert hat, die Plattenfirmen kein Geld mehr reinstecken wollen, die Medien das nicht mehr anfassen wollen, weil sie vorher schon oft erheblich durch breite Berichterstattung in Vorleistung gegangen sind, und die Leute, die sich für Musik interessieren meistens den neuen heißen Scheiß viel interessanter finden. Alles nachvollziehbar bis zu einem gewissen Grad.
Hättest du es nicht einfacher in Deutschland, wenn du aus GB oder USA kommen würdest?
Sicherlich richtig! Dieses Thema hat aber so eine lange Nase mittlerweile. Nach vorne schauen. Musik ist wunderbar. Alles andere passiert oder passiert nicht. Ich möchte darüber nicht nachdenken.
Dein Album ist ja überwiegend sehr still. Das ist ja ziemlich mutig, weil man da ja nichts hinter Gitarrengeschrammel verstecken kann. Siehst du das auch so?
Da ich mit Monta letztes Jahr sehr viel allein unterwegs war, hat sich die Vorstellung, wo sich die Platte musikalisch hinbewegt, unbewusst ergeben. Ein Vorsatz für die Aufnahmen war es, keine verzerrten Gitarren zu benutzen. Gerade wenn man allein spielt, kann man sich hinter niemandem verstecken. Entweder das Publikum lässt sich drauf ein oder du hast eine schwierige Zeit auf der Bühne. Wenn es funktioniert, ist es wunderbar, besser als mit voller Band zu spielen, da es viel direkter ist.
Monta ist leiser als Miles. Würdest du sagen, dass man automatisch leiser wird, wenn man alleine Musik macht, eben weil man da ja manchmal ziemlich einsam ist?
Nein, auf keinen fall ist Musik leiser, nur weil man einsam ist oder allein Musik macht. Ich denke, es ist eine Frage, wie man sich fühlt und was man ausdrücken möchte.
Auf welches Album freust du dich in der nächsten Zeit am meisten?
Elliott Smith
Welche Platte hat dich in diesem Jahr enttäuscht?
Pedro The Lion (Achiles Heel)
Mit welcher Band / welchem Musiker würdest du gerne auftreten?
Neil Young & Crazy Horse
Maximilian Hecker hat mal erzählt, wenn er Songs schreibe, müsse er sich gar nicht in der Stimmung befinden, die der Song widerspiegelt. Ist das bei dir ähnlich oder bist du auch traurig, wenn du traurige Lieder schreibst?
Das ist bei mir komplett anders. Ich schreibe dann Texte, wenn ich mich danach fühle und mich was beschäftigt. Alles andere funktioniert für mich nicht. Die Unmittelbarkeit ist da ganz wichtig. Genauso dasselbe trifft zu für den musikalischen Teil eines Songs. Ich spiele oft wochenlang kein Instrument. Ich möchte dann Musik machen, wenn ich muss und es nicht als Job sehen, jeden Tag einen Song zu schreiben.
Wenn man Zeilen liest wie „And At The Doorway Say Goodbye, You Will Be Fine“, scheinen die dieses Gefühl ja auch auszudrücken. Wolltest du ein Album aufnehmen, das Ja sagt zum Leben, trotz allem, was sich einem so in den Weg stellt?
Na klar. Das Leben ist doch auch wunderschön. Es gibt immer Hochs und Tiefs. Das muss ich mir immer wieder klar machen. Egal, was du machst. Glück und Unglück liegen verdammt nah beisammen.
Der einzige schwache Song auf deinem Album, finde ich, ist das Depeche ModeCover. Warum überhaupt ein Cover-Song? Standen vielleicht noch andere Cover-Songs zur Debatte?
Im Live-Set spiele ich noch eine Smog-Nummer. Bei Depeche Mode finde ich es erstaunlich, dass zwei Menschen sich künstlerisch so ergänzen. Martin Gore, ein unglaublicher Komponist und Dave Gahan, ein begnadeter Sänger und Frontmann. Faszinierend, wenn sich zwei Leute finden und über 20 Jahre hinweg Musik machen. Allein ist keiner so gut. Sie müssen das zusammen machen.
Einer der größten Songs auf deinem Album ist für mich I'm Sorry. Geht es da eigentlich ums Verlieben? Dieses „I'm Sorry, You Got Me.“
Es geht darum festzustellen, dass Freunde und Familie was ganz Besonderes sind. Über die Jahre hinweg hat sich mein Verhältnis zu meinen Eltern enorm verändert. Mittlerweile verbringe ich gerne und oft Zeit mit Ihnen. Ich schätze ihre Eigenheiten.
Wenn du nur drei Exemplare von deinem Album verschenken dürftest, wer würde sie kriegen?
Jemand, für den es eine Bedeutung hat. Der sich darüber freut. Die erste Reihe, oder?
Sebastian Dalkowski
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