 Bleibt alles anders.
| Autor |
Benjamin von Stuckrad–Barre |
| Titel |
Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft - Remix 2 |
| Verlag |
KiWi |
| Seiten |
485 |
| Bewertung |
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Florian Illies hat es getan. Stuckrad-Barre macht es momentan ganz aktuell: einen Fortsetzungsroman heraus bringen. Das stimmt so natürlich nicht, handelt es sich bei der neuesten Veröffentlichung leider immer noch nicht um einen Roman (der soll erst nächstes Jahr folgen), sondern erneut um eine Sammlung aus diversen Magazinbeiträgen und Zeitungsartikeln des Autors. Sinnvollerweise nennt sich das Ganze dann auch Remix 2 oder für die jenigen unter euch die es lieber sperriger mögen: Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft. Fortsetzungen gelten gemeinhin ja als verpönt und unkreativ (man denke nur an die horrende Anzahl von unglücklichen Film-Sequels, die ja mittlerweile fast schon ein eigenes Genre begründen könnten), es riecht immer ein wenig nach Ausverkauf und mit Sicherheit werden sich wieder einige geschulte Kritikerstimmen mit den Worten „Kann der nicht mal was Neues schreiben?“ Gehör verschaffen. Das sind dann so Leute, die mit jedem Erscheinen eines Buches von Stuckrad-Barre das Ende der Popliteratur verkünden. Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger…
Jetzt also nach dem Anke Engelke-Aus, dem Tumult beim Eurovision Song Contest, der Umsiedlung nach Zürich und der umstrittenen WDR-Doku also das Buch zum Film. Danke, wir hätten es auch ohne die Bild Zeitung und Frauke Ludowig zur Kenntnis genommen. Wie kein anderer hat Stuckrad-Barre es geschafft, sich nach zwei Jahren Sendepause wieder von Null auf Hundert ins Zentrum des Medieninteresses zu katapultieren. Alles Kalkül und Berechnung schimpfen die Kritiker, ob das denn sein müsse, fragen Fans (nein, nicht die Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg) anstatt sich einfach daran zu erfreuen, dass der Autor trotz seiner Alkoholsucht, Kokainabhängigkeit und Essstörung ein neues Werk veröffentlicht hat. Uns doch egal was der Feuilleton denkt solange der Endzwanziger weiterhin so Perlen wie die Reportage über den MDR-Klassiker Je t'aime verfasst. Zugegeben, die mittlerweile siebte Veröffentlichung von Stuckrad-Barre hat so seine Längen dennoch „gegenwartsstenographiert“ kaum einer mit so viel Biss und Präzision so gekonnt wie der Popliterat, der in Remix 2 nicht ganz so weit mit der Polemik-Keule wie gewohnt ausholt (Altersmilde?), sondern auch mal einfach als stiller Beobachter fungiert. Der beste Teil des Buches ist dann auch das letzte Drittel, welches Auszüge aus der von BvS-B verwirklichten NDR-Doku Ich war hier wiedergibt. Hier kommt der Autor ausnahmsweise mal nicht zu Wort (es sei denn im Vorwort) und reiht unkommentiert einfach Spruch an Spruch, Beschimpfung an Beschimpfung, usw. aus Gästebüchern der Helge Schneider Homepage, des Traktormuseums oder der KZ Gedenkstätte in Bergen-Belsen.
Fazit: Remix 2 ist mit Sicherheit ernsthafter als der Vorgänger geraten. Ein ambitioniertes Werk trotz Längen. Nicht neu, nicht radikal anders und trotzdem gelungen weil 'reifer'. Oder um es mit den einfachen Worten einer Besucherin der Steinwache in Dortmund zusammen zu fassen: „Es war superschön“ .
Katja Peglow
Kommentare
| sebastian schrieb am 15.09.2005 um 19:50 Uhr: |
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ein sehr guter artikel, jetzt weis ich genau das was ich wissen wollte. vielen dank
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| queen schrieb am 24.07.2005 um 19:39 Uhr: |
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also wirklich…ich konnte aus diesem artikel nichts mitnehmen — jetzt weiß ich genauso viel oder wenig wie vorher…
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